Energiewende: "Wir können etwas tun!"

MaGAZin: In Ihrem Buch „Welt mit Zukunft – die öko­soziale Perspektive“ beschreiben Sie die Verbindung zwischen Nahrung und Energie. Wie kommt die zustande?

Franz-Josef Radermacher: Jede Nahrung beinhaltet Energie. Für unsere Hochleistungslandwirtschaft ist Energie über den Einsatz von Kunstdünger die Voraussetzung für hohe Produktivität. Das gilt für vegetarische wie tierische Nahrung. Die Hälfe unserer produzierten pflanzlichen Nahrung wird in Tiere in Intensivhaltung investiert, die massiv vom Kunstdünger abhängt. Kunstdünger wird im Wesentlichen über fossile Energieträger produziert, was auch indirekt der Grund ist, warum in der tierischen Nahrung so viel CO2 steckt.

 

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25 Bücher „Welt mit Zukunft“ gewinnen

 

Franz-Josef Radermacher erklärt in seinem Buch „Welt mit Zukunft“ (ISBN: 978-3867741118, 19,90 Euro, Murmann Verlag) die ökosoziale Perspektive.

Seine Idee von der Balance zwischen Wirtschaft, Sozialem und Ökologie sowie Toleranz bei Respektierung der Kulturen bildet die machbare Basis zu einer friedlichen Entwicklung unseres Planeten.

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Senden Sie uns eine Mail: magazin@tytogaz.de, Gewinnspiel „Zukunft“. Wir verlosen unter allen Einsendern 25 Exemplare des Buchs. Einsendeschluss: 8. Juni 2012

MaGAZin: Was heißt das für mich als Verbraucher? Weniger Fleisch essen, mehr Gemüse und Salat auf den Tisch? Oder das landwirtschaftliche System ändern?

Radermacher: Wenn die Welt auf Dauer zehn Milliarden Menschen ernähren und gleichzeitig die Armut überwinden will, müssen die Menschen in der sogenannten Dritten Welt besser ernährt werden. Unser System funktioniert jetzt mit sieben Milliarden Menschen noch, aber nur über extreme soziale Ungleichheit. Eineinhalb Milliarden Menschen haben Geld genug und können sich zu Lasten der anderen mit Fleisch, Energie oder Biosprit versorgen. Das wird in einer Welt mit zehn Milliarden Menschen nicht mehr möglich sein. Wenn auch noch Biomasse im großen Stil für Energie oder Treibstofferzeugung gebraucht wird, dann nimmt der Druck auf vegetarische Nahrung noch mehr zu. Außerdem ist nicht zu erwarten, dass aus Biomasse so viel Energie erzeugt werden kann wie zehn Milliarden Menschen benötigen.

 

MaGAZin: Die Lust auf Fleisch wird in den entwickelten Ländern nicht von selbst weniger werden. Wie ließe sich da ein Weg finden?

Radermacher: In einer vernünftigen Welt würde sich das alles über die Märkte regeln. Wenn wir etwa weltweit ein soziales Existenzminimum zum Beispiel aus globalen Transaktionssteuern finanzieren würden, dann hätte der ärmere Teil der Welt immer soviel Geld, dass er zumindest vegetarisch satt würde. Dieser Teil der landwirtschaftlichen Produktion wäre vorab verteilt, wir könnten ihn nicht zu Lasten der Armen umschichten. Der Rest ist ein Marktproblem: Wie teuer ist vegetarische und tierische Nahrung, wie teuer ist Biosprit? Wenn die Biomasse nicht mehr ausreicht, um alles im heutigen Umfang zu unterfüttern, dann gehen die Nahrungsmittelpreise hoch und der Fleischkonsum zurück. Dann wird man auch keine Energie mehr aus Biomasse gewinnen, die auch für Ernährungszwecke genutzt werden kann.

 

MaGAZin: Das heißt, die Nachfrage nach Fleisch wird sich auch über den Energiepreis regeln?

Radermacher: Das setzt voraus, dass wir die globalen Fragen miteinander finanzieren. In Deutschland gibt es Hartz 4, hier verhungert niemand, aber weltweit gibt es das nicht. Im Moment lösen wir in den reichen Industriestaaten viele Probleme auf dem Rücken der Ärmsten. Erst wenn wir global das Recht auf Nahrung auch mit Finanzierung unterlegt durchsetzen, dann entsteht der Druck, dass am Ende die Preise für tierische Nahrung so teuer werden, dass sich die Dinge über den Preis regeln.

 

MaGAZin: Lässt sich das auch mit der Energiewende verknüpfen?

Radermacher: Bei der Energiewende geht es zuerst um die Frage, wie wir in Deuschland die Kernkraft ersetzen. Indirekt darum, wie ernst wir das Klimaproblem nehmen. Denn wir senken ja seit Jahren die CO2-Emissionen nicht, sondern erhöhen sie, wenn man die internationalen Zusammenhänge mit bedenkt. Mit einem CO2-Ausstoß von zehn Tonnen pro Jahr und Kopf bewegen wir Deutsche uns auf einem hohen Niveau, die Franzosen liegen bei nur sechs Tonnen. Also, die Guten sind wir nicht!

 

MaGAZin: Wie können wir denn die Guten werden?

Radermacher: Wir brauchen andere Technologien, die haben wir nicht. Was momentan als Umbau angegangen wird, ist sehr teuer. Uns fehlen vor allem die Speicher und Netze. Die Schwierigkeit ist, dass es viele konkurrierende Vorschläge gibt und hinter jedem eine große Lobby steht, weil es um sehr viel Geld geht. Lässt sich die Energiewende mit Hilfe von Wasserstoff schaffen, braucht es dazu riesige Batterien, oder holt man die Energie aus der Wüste? Jede Seite will, dass sich die öffentliche Meinung in ihre Richtung positioniert und so einen Markt erzeugt.

 

MaGAZin: Den Kostenfaktor Energie haben wir heute schon, Energiesparen ist für viele ein Thema. Was bedeutet das alles für mich als Privatverbraucher?

Radermacher: Für den normalen Bürger ist entscheidend, wie sich die Energiepreise, die Energieeffizienz sowie der Lebenstil verändern werden. Alles was wir an Energieeffizienz herausholen und durch einen anderen Lebensstil einsparen, darf als Preis dazukommen. Dann würde der „gefühlte“ Energiepreis in Zukunft im Wesentlichen gleich bleiben. Wenn sich aber die Energiekosten mehr erhöhen als wir durch Effizienz und Änderung des Lebenstils einsparen können, dann wird die Belastung der Bürger und vor allem der sozial Schwächeren größer. Dann löst man die Umweltfrage zulasten der sozialen Frage. Die Probleme allein über den Energiepreis zu lösen, wovon manche träumen, geht immer auf Kosten der sozial Schwächeren. Doch wir als Konsumenten können eine Menge tun. Zum Beispiel fordern, dass die Firmen, bei denen wir kaufen, klimaneutral arbeiten.

 

Lesen Sie auf der nächsten Seite 30 Tipps von Prof. Dr. Dr. Radermacher, die Welt zu verändern.

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